Heimatgeschichte sichtbar machen

Das Beispiel der Verbandsgemeinde Montabaur zeigt, wie Friedhofsverwaltungen mit digitalen Friedhofsplänen Regionalgeschichte vor Ort erzählen und illustrieren können.

Im August 2020 erhielt die Kölner Firma PBSGEO den Auftrag zum Aufbau von digitalen Friedhofsplänen für die Verbandsgemeinde Montabaur aus Rheinland-Pfalz. In der Datenerfassung wurden Grabdaten aus über 300 Papierplänen von 31 Friedhöfen in das Friedhofskataster übernommen und mit dem Programm elFRIED der Firma CTS verbunden. Nach der Ersterfassung prüfte die Verbandsgemeindeverwaltung die Grabdaten und fügte zusätzliche Informationen zu bedeutenden Grabanlagen, Denkmalen und Friedhofskapellen hinzu.

Die Veröffentlichung

Nach Abschluss der Erfassungsarbeiten wurde der digitale Friedhofsplan für die Öffentlichkeit freigegeben. Neben der Verlinkung von der Internetseite der Verbandsgemeinde, wurden QR-Codes auf den Friedhöfen ausgehangen. Diese können mit dem Smartphone oder einem Tablet eingescannt werden. Dann öffnet sich der Friedhofsplan des jeweiligen Friedhofes auf dem mobilen Endgerät. Markus Kuch, Sachgebietsleiter Umwelt, Friedhöfe und Bauhöfe bei der Verbandsgemeindeverwaltung berichtet, dass der digitale Friedhofsplan die Kommunikation mit den auf dem Friedhof tätigen Gewerken um einiges einfacher gestaltet. Dies erhöhe die Service-Qualität der Friedhofsverwaltung bei gleichzeitiger Rationalisierung in den Arbeitsabläufen.

Die Arbeitsgemeinschaft Volkstrauertag

Über die Veröffentlichung des digitalen Friedhofsplan berichtete etwa die Westerwälder Zeitung. Dadurch wurde Claus Peter Beuttenmüller, Studiendirektor (a.D.) des Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz in Montabaur, auf den digitalen Friedhofsplan aufmerksam. Herr Beuttenmüller leitete 20 Jahre lang die Arbeitsgemeinschaft (AG) Volkstrauertag, welche aus einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten im Jahr 2002 hervorgegangen war. Die Arbeitsgemeinschaft machte es sich zur Aufgabe, Schicksale von gefallenen Soldaten, die auf dem Ehrenhain Westerwald beigesetzt wurden, kulturhistorisch aufzubereiten. Es handelt sich laut Beuttenmüller um über 1.000 Tote, die meist fern ihrer Heimat die letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Montabaur gefunden haben. Von den Verstorbenen war bis auf Namen und Sterbedaten, die in die kleinen Grabplatten geschlagen worden waren, meist nichts bekannt.

Interessierte Schüler*innen suchten als Wettbewerbsbeitrag mehr individuelle Informationen zu einzelnen Soldaten, ihren Familien, ihrem Leben in der politisierten Gesellschaft des Deutschen Reiches und zuletzt über ihren Tod, um darzustellen, dass hier ein Mensch „wie du und ich“ liegt, durch Gewalt aus einem unvollendeten Leben gerissen.

Die Arbeit in Archiven und der Kontakt zu Angehörigen ermöglichte tatsächlich, etliche Gefallene jenseits ihres Soldat-Seins als Mensch begreifen zu können.

Beuttenmüller sah den digitalen Friedhofsplan der Verbandsgemeinde als eine Möglichkeit, die recherchierten Informationen zu den Gefallenen des zweiten Weltkrieges einem größeren Personenkreis digital zur Verfügung zu stellen und dauerhaft zu sichern.

Die Umsetzung

Die durch die AG Volkstrauertag zusammengetragenen Informationen zu den Geschichten und Schicksalen der gefallenen Soldaten wurden an die Friedhofsverwaltung übergeben und bei den zugeordneten Gräbern hinterlegt. Diese sind nun online aufrufbar, egal ob vor Ort auf dem Friedhof oder von zu Hause.

Fazit

Die Digitalisierung der Friedhöfe ermöglicht nicht nur die Optimierung der Friedhofsverwaltung. Sie ist darüber hinaus ein geeignetes Mittel, die regionale Geschichte anhand der Schicksale und Leben der Verstorbenen nachzuvollziehen.

Quelle: Friedhofskultur, Januar 2023