Die Stadt Dortmund hat für ihre 32 kommunalen Friedhöfe einen digitalen Friedhofsplan im
Internet veröffentlicht. Damit reagiert die Stadt auf die Herausforderungen, die mit der
Verwaltung von über 200.000 Grabstätten einhergehen. Das neue System soll sowohl
Besucherinnen und Besuchern als auch den auf den Friedhöfen tätigen Gewerke den
Zugang zu Grabinformationen erleichtern.
Orientierungshilfe für Angehörige und Besuchende
Wer ein Grab besuchen möchte, kennt oft nur den Namen der verstorbenen Person. Die
genaue Lage der Grabstätte auf dem Friedhof ist den Besuchern nicht immer bekannt. Die
bisherige Suche vor Ort ist gerade auf großen Friedhöfen sehr zeitaufwendig. Angehörige
müssen sich häufig an die Friedhofsverwaltungen wenden, die jedoch nicht immer
unmittelbar erreichbar sind – beispielsweise an Wochenenden oder Feiertagen.
Der digitale Friedhofsplan bietet hier eine konkrete Unterstützung. Nach Eingabe des
Namens einer verstorbenen Person zeigt das System die exakte Lage der Grabstätte auf
der Karte an. Die GPS-Positionierung ermöglicht es darüber hinaus, den eigenen Standort
mit dem Zielpunkt abzugleichen und so direkt zum gesuchten Grab zu finden.

Arbeitsunterstützung für die Gewerke
Auch für die auf dem Friedhof tätigen Gewerke, wie Bestatter, Steinmetze und
Friedhofsgärtner, ist das neue System eine spürbare Erleichterung. Täglich müssen sie
unterschiedliche Grabstätten aufsuchen – sei es für Trauerfeiern, Pflegearbeiten, das Setzen
von Grabsteinen oder für Wartungs- und Kontrollaufgaben. Die digitale Karte ermöglicht eine
präzise Standortermittlung der einzelnen Gräber und erleichtert somit die Planung und
Durchführung der jeweiligen Tätigkeiten.
Mehrwert für Verwaltung und Öffentlichkeit
Neben der verbesserten Orientierung für Bürgerinnen und Bürger sowie der Unterstützung
für die Gewerke bringt der digitale Friedhofsplan auch interne Vorteile für die Verwaltung.
Durch die öffentliche Verfügbarkeit aktueller Grabdaten für alle Beteiligten lassen sich
häufige Anfragen, etwa zur Lage bestimmter Grabstätten, reduzieren. Angehörige können
benötigte Informationen nun selbstständig über die Suchfunktion abrufen. Dies entlastet die
Friedhofsverwaltung im Arbeitsalltag und verbessert gleichzeitig die Servicequalität
gegenüber den Bürgern.
Historische Friedhofskultur sichtbar gemacht
Ein weiterer Aspekt des digitalen Plans ist die Einbindung kulturhistorischer Inhalte. Auf
vielen Friedhöfen befinden sich Gräber historisch bedeutender Persönlichkeiten oder
Denkmale von bedeutenden Ereignissen, die nicht immer direkt ersichtlich sind. Durch die
digitale Aufbereitung im Friedhofsplan können diese Orte sichtbar und für alle
Friedhofsbesucher erlebbarer gemacht werden. Auf dem Dortmunder Ostfriedhof wurden
rund 100 solcher Grabstätten und Denkmale von der Friedhofsverwaltung erfasst. Der
digitale Plan hebt diese historisch bedeutsamen Gräber und Denkmale durch eine
Markierung hervor und verlinkt sie mit weiterführenden Informationen wie Biografien, Fotos,
Videos oder sogar historischen Traueranzeigen und Zeitungsartikeln. Die Friedhöfe der
Stadt Dortmund werden dadurch zu einem Freilichtmuseum, welches zum Entdecken der
Stadtgeschichte einlädt.
Fallbeispiel: Grubenunglück auf Zeche Kaiserstuhl II
Ein sehr bedeutsames Beispiel auf dem Dortmunder Ostfriedhof ist das Denkmal zum
Grubenunglück von 1897 auf der Zeche Kaiserstuhl II. Drei Tage vor Weihnachten kamen
dort bei einer Explosion 18 Bergleute ums Leben. Der Friedhofsplan enthält zu diesem
tragischen Unfall Fotos, historische Zeitungsartikel, Videomaterial und erläuternde Texte.
Digitale Friedhofskultur im Wandel
Mit dem digitalen Friedhofsplan bietet die Stadt Dortmund ein System, das über reine
Verwaltungsaufgaben hinausgeht. Es verbindet Orientierung, Information und historische
Bildung in einem öffentlich zugänglichen Format. Dortmund nimmt damit eine Vorreiterrolle
im gesamten deutschsprachigen Raum ein. Die Dortmunder Friedhöfe können dadurch auch
von Ortsunkundigen erschlossen und als Freilichtmuseum entdeckt werden.
Quelle: Friedhofskultur, 01.08.2025

